Ein Film über die "kotigen Wolfauer"
Diesen Spitznamen erhielten die Dorfbewohner, weil es durch den vielen Schlamm früher kaum möglich war, sich auf den Straßen des südburgenländischen Dorfes fortzubewegen. An diese „kotige“ Zeit und das damalige Dorfleben kann sich heute kaum noch jemand erinnern.
Und doch waren es prägende Jahre – Jahre, in denen harte Arbeit und ein einfaches Leben den Alltag bestimmten, in denen aber auch Zusammenhalt und Tradition eine große Rolle spielten und in denen man mit dem eigenen Kleidungsstil, Dialekt, uralten Rezepten und der schönen Landschaft seinen Stolz auf die Heimat hochgehalten hat.
Wir haben uns die Zeit genommen, mit Zeitzeugen zu sprechen, ihre Geschichten zu hören und die Erinnerungen an diese fordernde Epoche für die Zukunft festzuhalten. Mit diesem Film öffnen wir ein Fenster in die Vergangenheit und machen spürbar, was das Dorfleben einst geprägt hat – und welche Erfahrungen und Traditionen uns auch in der Zukunft Orientierung geben können.
Euch erwarten Gschichtn über:
Brauchtum & Tradition
Bräuche und Traditionen prägten früher den Jahreskreislauf im Dorf. Schon am Neujahrstag zogen die Buben durch die Nachbarschaft, um Glück fürs neue Jahr zu wünschen. Meinte es das Glück nicht so gut, wurde man zum Beispiel als Langschläfer schon zu Pfingsten mit Brennnesseln geweckt und als „Pfingstlucka“ verspottet.
In den Wintermonaten wurden Geschichten und Sagen rund um Krampus, Budelnandl oder Lutzl lebendig. Zwischen den vielen Bräuchen wurden auch zahlreiche traditionelle Feste gefeiert. Neben den vielen Bällen in der Faschingszeit, Kirtagen oder Erntefesten waren Hochzeiten ein besonderes Highlight – das ganze Dorf war involviert. Weshalb jede Hochzeitsfeier mit Schwarzpulver eingeleitet wurde, was „a foischi Braut“ ist und wie es dazu kam, dass bei einer Hochzeit einst nicht nur die Braut, sondern auch das gesamte Essen verschwand, erzählen unsere Interviewpartner im Film.
Buam und Dirndln
„In d’Schui is ma gern gounga, weil ma nach da Schui glei aufs Föd ruachln miassn hot.“ Heute unvorstellbar, aber früher ganz normal: Nach der Schule musste man den Eltern am Feld helfen. Trotz harter Arbeit und strenger Lehrer, die noch mit dem Rohrstock austeilten, fehlte der Spaß nie. D‘Dirndln vertrieben sich ihre kurze Freizeit mit „Tempelhupfen, Roaftreiben oder Pinzgern“, während d‘ Buam meist zu Laus-Buam wurden. Im Winter war es mit der Feldarbeit vorbei – da tobten die Kinder bis zum Einbruch der Dunkelheit im Schnee. Mit Sauschlittn und selbstgebauten Skiern aus Fasstauben wurden die Hügel unsicher gemacht – für einen unserer Hauptprotagonisten endete das vor rund 80 Jahren auf Krücken…
Gschickte Leid
Sie sind rar geworden, aber es gibt sie immer noch: schöne Vierkanthöfe mit typisch burgenländischen Arkaden und Gesimsen. Die Menschen, die hier lebten, bewirtschafteten gemeinsam Äcker, zogen Tiere groß und pflegten Obstgärten. Man war Selbstversorger – alles, was man hatte, musste man selbst erwirtschaften.
Aus den eigenen Lebensmitteln entstanden typische südburgenländische Speisen: Strudl, Sterz, Nigl, Kroatsalat oder auch eine „bsoffene Lisl“. „Bio“ war damals selbstverständlich. Damals wie heute gilt für viele die Küchenphilosophie: „Wenn’s Oaschal brummt, is Herzal gsund.“
Hoate Zeitn
„Dass da Krieg in Wolfau endet, hätt’ si kuana denkt“ – ein Satz, den man in unseren Interviews oft hört. Die Wolfauer Lafnitzauen wurden in den Kriegsjahren zum Grenzgebiet. Noch heute sieht man die russischen Schützengräben in den Wolfauer Wäldern, von wo aus man den deutschen Feind hinter der Lafnitz ins Visier nahm.
Viele Wolfauer flohen in die Nachbardörfer, um sich vor dem Kriegstreiben zu schützen. Häuser wurden geplündert, es kam zu Übergriffen und Vergewaltigungen – harte Zeiten, die man nur mit Zusammenhalt, Fleiß und Verzicht überstehen konnte.
Doch zwischen all den dunklen Erinnerungen gibt es auch Lichtblicke und Geschichten von Menschlichkeit – etwa die eines russischen Soldaten und seiner Zuckerldose, die eine unserer Befragten bis heute aufbewahrt.
Wolfauer Originale
In jeder kleinen Gemeinde gab es gewisse Persönlichkeiten, die jeder kannte – entweder weil sie ein wichtiges Handwerk beherrschten oder anderweitig eine bedeutende Rolle im Dorfleben spielten. Da gabs zum Beispiel den Wirt, bei dem man für einen Film wie unseren vermutlich früher 50 Groschen zahlen musste, wie man uns sagte. Oder eine alte Dorfhexe, die man meist bei medizinischen Notfällen aufsuchte und ihr Wissen über Kräuter nutzte. Den Dorftrommler, der – im Gegensatz zu den alten Dorftratschen am Bankerl unterm Nussbaum – die offiziellen Nachrichten auf einem Richterstein im Grundwinkel verkündete. Aber auch den Kreisler, bei dem man „vom Hosnknopf bis za da Dochrinn’ alles kaufen konnte – ein Stamperl Selbstgebrannten inklusive". Solche Wolfauer Originale gibt’s halt nur eine Handvoll. Die Wolfauer Originale von heute haben wir übrigens auch – sie erzählen euch diese Geschichten höchstpersönlich im Film.
Wer hat´s ausgfressn?
Wir sind drei Burschen aus Wolfau – Alexander Hinker, Niklas Koller und Julian Gschiel. Uns verbindet die Liebe zu unserer Heimat und der Wunsch, ihre G’schichtn für kommende Generationen festzuhalten. Mit diesem Film möchten wir Erinnerungen lebendig machen, zeigen, was Wolfau einzigartig macht und der älteren Generation eine Stimme geben.
Seit September 2024 verbringen wir deshalb unsere Sonntagvormittage regelmäßig bei den Wolfauer Originalen, um uns Geschichten von „damals“ anzuhören. Alex, unser Regisseur, und Niki, der sich um die Organisation kümmert und sich mit alten Bräuchen und Ritualen auskennt, führen die Interviews. Julian ist selbstständiger Fotograf und fängt die Geschichten mit seiner Kamera ein.
dKotigen - Gschichtn aus Wolfau
Ende 2026 auf da Leinwand